Zweieinhalb Kirchen und 370 Bestattungen: Der Neustädter Kirchplatz in Einbeck

Am Dienstag, den 10. November 2026, um 19 Uhr, berichtet der Archäologe Frank Wedekind M.A. über Ausgrabungen am Neustädter Kirchplatz in Einbeck. Der Vortrag findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Archäologie im Landkreis Gifhorn und Umgebung“ in der Alten Schule in Wasbüttel statt. Der Vortrag wird auch im Internet übertragen.

Die historische Stadt Einbeck im Süden Niedersachsens gehört zum sogenannten Fachwerkfünfeck, das sich um den Status als UNESCO-Weltkulturerbe bemüht. Den Kern der Stadt bildet das Stift St. Alexandri (ca. 1050). Südlich des Stifts wird um 1150 eine Marktsiedlung gegründet, die schnell zu einer Stadt heranwächst. Diese wird gegen 1230 um die Neustadt erweitert, womit sich die Fläche der Stadt verdoppelt. Mit über 5000 Einwohnern zählt Einbeck im Spätmittelalter schließlich zu den größten Städten im heutigen Niedersachsen. Zentral in der geplanten Erweiterung mit rechtwinkligen Straßenzügen platzierte man die Kirche St. Marien. Der Vortrag beleuchtet die wechselhafte Baugeschichte des Gotteshauses von seinen Anfängen über die Wechselbeziehung mit dem benachbarten Nonnenkloster der Magdalenerinnen, die Reformation, zwei großen Stadtbränden bis zum Abriss des Gebäudes in den 1960er Jahren. Vieles davon ist an den im Boden erhaltenen Mauer- und Fundamentresten ablesbar und lässt sich hervorragend mit schriftlichen Quellen in Einklang bringen. Bei den archäologischen Grabungen südlich der Kirche wurden aber auch 370 Bestattungen freigelegt. Die Befunde dokumentieren über ein halbes Jahrtausend Stadt- und Bevölkerungsgeschichte sowie die Entwicklung der Bestattungssitten bis zur Aufgabe des Friedhofs um 1770. Sogar Schicksale einzelner Menschen lassen sich an den erhaltenen Knochen aber auch an den teilerhaltenen Särgen und Grabbeigaben fassen.

Die Ausgrabungen am Neustädter Kirchplatz in Einbeck aus der Vogelperspektive (Foto: SWA Göttingen).
Weiterlesen →

Niedergang, Auflösung oder Wandel? Aktuelle Forschungen zu mittelalterlichen Königspfalzen in Niedersachsen

Wenn die Blätter fallen und die Tage kürzer werden, ist wieder Zeit für Spaziergänge durch die Geschichte. Die Vortragsreihe „Archäologie im Landkreis Gifhorn und Umgebung“ lädt zu einem Rundgang zu archäologischen Fundplätzen und neuen Erkenntnissen ein. Die Vorträge finden zwischen Oktober und Februar an wechselnden Orten statt und werden per Zoom im Internet übertragen. Der Eintritt ist wie immer frei.

Den Anfang der diesjährigen Vortragsreihe macht am 13. Oktober um 19 Uhr der Archäologe Professor Dr. Markus C. Blaich vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) aus Hannover. Im Rittersaal des Gifhorner Schlosses berichtet er über die Forschungen des NLD an den ottonischen Pfalzen am Harz und die Veränderungen dieser Königslandschaft während des 11. bis 13. Jahrhunderts. Bezugspunkt ist der aus den historischen Quellen ableitbare Wandel der herrschaftlichen Machtausübung von mehreren Plätzen (10. Jh.) hin zu einem Ort (11./12. Jh.), also die Konzentration auf einen Ort. Im Vortrag werden zunächst die besonderen Charakteristika der ottonischen Königslandschaft Harz, die Veränderungen in der Zeit um 1000 und die besondere Rolle Goslars vorgestellt. Anschließend werden die jüngsten Untersuchungen der Archäologie und Mittelalterforschung zur Spätphase der ottonischen Pfalzen vorgestellt. Von Interesse sind dabei Arbeiten in Werla, Königsdahlum und Pöhlde. Die hier zu erkennenden Entwicklungen bieten die Möglichkeit, den raschen Aufstieg Goslars zur zentralen Pfalz der Salier (11. Jh.) besser zu verstehen.

Das 2012 wieder aufgemauerte Tor II der Pfalz Werla im Abendlicht (Foto: H. Meyer, Hornburg).
Weiterlesen →

Bernstein im Landkreis Gifhorn

Vortrag von Rainer Bartoschewitz, Geowissenschaftliche AG Gifhorn

10. Sept. 2026 um 19 Uhr im GWG-TreffPunkt 53, Gifhorn, Dannenbütteler Weg 53

Seit Menschengedenken übt Bernstein aufgrund seiner Schönheit, Wärme und Glanz eine große Faszination auf uns aus und stellt ein bedeutendes uraltes Handelsgut dar! Aber auch für die Wissenschaft ist er durch im Harz hervorragend konservierte Lebewesen von enormer Bedeutung! Im Vortrag wird über seine Entstehung und seine Eigenschaften berichtet, aber auch über die weltweiten Vorkommen der verschiedenen Bernstein-Typen und Funde im Kreis Gifhorn.

Der Vortrag ist kostenlos

30 Minuten vor Vortragsbeginn können Besucher geologische Funde zur Bestimmung vorstellen

Exkursion der Geowissenschaftlichen AG Gifhorn nach Salder und Göttingen

06. September 2026

Fossiliensammeln an der Turon/Coniac-Grenze in Salder: Wie nirgendwo anders auf der Erde ist die Grenze der beiden Kreidezeitalter Turon und Coniac vor 89,4 Millionen Jahren so perfekt aufgeschlossen, wie im ehemaligen Steinbruch in Salzgitter-Salder, der vor 3 Jahren zum internationalen Referenzpunkt für die Geowissenschaft ernannt wurde (Global Stratotype Section and Point (GSSP) oder im Jargon „Goldener Nagel“). Salder ist nach dem Wetteldorfer Richtschnitt in der Eifel (Unter-/Mitteldevon) der 2. „Goldene Nagel“ in Deutschland. Obwohl der Steinbruch inzwischen nicht mehr frei zugänglich ist, haben wir die Möglichkeit unter Leitung von Dr. Henning Zellmer (Geschäftsführer Geopark Harz Braunschweiger Land Ostfalen), dort Fossilien zu sammeln!

https://www.scinexx.de/news/geowissen/gesteinsformation-bei-salzgitter-wird-goldener-nagel/

Die Stiftung Naturlandschaft hat das Steinbruchgelände der BUND-Kreisgruppe Salzgitter zur weiteren Betreuung und Biotopentwicklung übergeben. Ausnahmsweise haben wir die Möglichkeit bekommen, das Gelände unter fachkundiger Leitung zu betreten, eine Spende an die BUND-Kreisgruppe Salzgitter zur weiteren Betreuung und zum Schutz des Bio- und Geotops wird erwartet!

Besuch der Geowissenschaftlichen Sammlung der Universität Göttingen: Das Geowissenschaftliche Museum der Universität Göttingen wurde 1773 zusammen mit anderen Abteilungen als „Königlich Academisches Museum“ der Georgia Augusta gegründet, wobei sich die Geowissenschaftlichen Sammlungen bis in die Zeit der Universitätsgründung zurückverfolgen lassen. Inzwischen umfassen die Sammlungen allein im Geowissenschaftlichen Zentrum mehr als 4 Millionen Objekte – damit beherbergt die Universität Göttingen die viertgrößte geowissenschaftliche Sammlung in Deutschland. Unter den Sammlungsbeständen befinden sich auch Insekten aus Grassel. Dr. Alexander Gehler, Kurator der Geowissenschaftlichen Sammlungen, wird uns durch die Ausstellungen führen und uns einen Blick hinter die Kulissen werfen lassen.

Programm:      10 h       Treffen in Salder und sammeln von Fossilien (Dr. H. Zellmer)

                   ca. 12 h       Weiterfahrt nach Göttingen

              ca. 13:30 h       Besuch der Sammlung in Göttingen (Führung Dr. A. Gehler)

                   15:30 h       Rückfahrt

Anmeldung:             erforderlich bis zum 01. September bei Rainer Bartoschewitz: Tel. 017643426003 oder e-Mail: bartoschewitz.meteorite-lab@t-online.de

Jahrtausende retten! Gegen die geplante Änderung des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes

Die Landesregierung in Hannover will das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz (NDSchG) ändern (LINK). Das Ziel: Verfahren sollen einfacher, schneller und günstiger werden. Was zunächst elegant klingt, hätte das Gegenteil zur Folge und zugleich weitreichende negative Konsequenzen für die Archäologie in Niedersachsen, für Bauvorhaben und Bauherren – und sogar für den Arbeitsmarkt.

Im Namen aller, denen das kulturelle Erbe und die Geschichte in Niedersachsen am Herzen liegen, bitten wir Sie, ganz deutlich gegen die geplanten Gesetzesänderungen Stellung zu beziehen. Der bestehende Gesetzesentwurf muss vom Tisch! Weitere Informationen zur geplanten Gesetzesänderung und eine Online-Petition zur Rettung der Archäologie in Niedersachen finden Sie hier:

https://openpetition.org/jahrtausenderetten

Bitte leiten Sie den Link weiter. Nehmen Sie Kontakt mit Ihren Landtagsabgeordneten auf, sprechen Sie mit Politikerinnen und Politikern vor Ort, leisten Sie Aufklärung!

Schacht Antonsglück bei Rolfsbüttel – Von der Gründung der Kali-Industrie zur Endlagersuche für radioaktive Abfälle

Vortrag von Rainer Bartoschewitz, Geowissenschaftliche AG Gifhorn

09. Juli 2026 im GWG-TreffPunkt 53, Gifhorn, Dannenbütteler Weg 53

Mit der Entdeckung des Kunstdüngers entspannte die sich ankündigende Hungersnot in Deutschland im 19. Jahrhundert und eröffnete eine bedeutende finanzielle Einnahmequelle, so dass die Anzahl der Kaliwerke rasant Wuchs. Auch in Rolfsbüttel wurde eine Schachtanlage auf Kalisalz mit den dazugehörigen Gebäuden gebaut, konnte aber nie in Betrieb gehen. Heute zeugen nur noch Relikte des ehrmaligen Verwaltungsgebäudes in der für den Kalibergbau typischen Archtektur und die Schachttafel von den damaligen Aktivitäten bei Rolfsbüttel. Die in den Bohrungen entdeckten Basalt-Gänge sind die nördlichsten Deutschlands und spielten in den 80er Jahren des 20. Jh. eine Rolle bei der Bewertung von möglichen Endlagern für radioaktiven Abfälle.

Im Rahmen des Vortrags wird Rainer Bartoschewitz zum Schacht Antonsglück bei Rolfsbüttel über die regionale Geologie und Bedeutung dieses nie in Betrieb gegangenen einzigen ehemaligen Bergwerks auf dem Gebiet des heutigen Landkreis Gifhorn berichten.

Vortragsbeginn ist 19 Uhr, ab 18:30 können die Besucher ihre Stein-Funde vorstellen und bestimmen lassen.

Songlines: Konzert mit „Arjomi“ im Historischen Museum Schloss Gifhorn

Am Samstag, 21. Februar um 17 Uhr verwandelt sich die Kasematte des Historischen Museums Schloss Gifhorn für ca. 90 Minuten in einen ganz besonderen atmosphärischen Klangraum. Die vierköpfige Akustikgruppe „Arjomi“ aus Braunschweig präsentiert im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung „Songlines – Wanderungen im Australischen Outback“ ein außergewöhnliches Konzert, das traditionelle und experimentelle Elemente miteinander verbindet.

Foto: Arjomi
Weiterlesen →

Eigenartigen Ritualen auf der Spur… Oder: Was geschah auf dem Urnengräberfeld von Nienbüttel?

Im letzten Vortrag der Veranstaltungsreihe „Archäologie im Landkreis Gifhorn und Umgebung“ berichtet die Archäologin Dr. Melanie Augstein vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung (NIhK) über ihre Ausgrabungen auf dem Gräberfeld von Nienbüttel im Nachbarlandkreis Uelzen. Der Vortrag findet am 10. Februar 2026 um 19 Uhr im Hotel „Zur Linde“ in Hankensbüttel statt. Wie gewohnt wird der Vortrag auch im Internet übertragen (Link: siehe unten).

Ausgrabung einer Steinkonzentration auf dem Gräberfeld von Nienbüttel im Sommer 2024 (Foto: M. Augstein, NIhK).
Weiterlesen →

Spuren kosmischer Katastrophen im Landkreis Gifhorn

Vortrag von Rainer Bartoschewitz, Gifhorn

Meteorite stoßen ständig mit der Erde zusammen, die meisten davon erreichen die Erdoberfläche allerdings nur als Staub oder können als bis zu ~5 m große außerirdische Gesteine entdeckt werden. Im Laufe der Erdgeschichte kollidierten jedoch auch mehrere Kilometer große Himmelskörper mit unserer Erde und hinterließen Krater mit bis zu 300 km Durchmesser. Kosmische Relikte, die auf unserem Kreisgebiet einschlugen, konnten bislang noch nicht nachgewiesen werden, aber die Eiszeiten haben Gesteine von derartigen Impakt-Strukturen im Landkreis Gifhorn abgelagert.

Im Rahmen des Vortrags wird Rainer Bartoschewitz über Funde von Impakt-Gesteinen im Landkreis, deren Herkunft und die Entstehung derartiger Krater berichten.

Treffen: GWG-Treff-PUNKT 53, Dannenbütteler Weg 53, 38518 Gifhorn, ab 18:30 Uhr
Die Veranstaltung ist kostenfrei, Spenden sind willkommen

Der Wolfe Creek Krater und die Regenbogenschlange

Vortrag von Rainer Bartoschewitz, Geowissenschaftliche AG Gifhorn

Der Wolfe Creek Krater ist der zweitgrößte Meteoritenkrater der Welt, in dem Teile eines Meteoriten entdeckt wurden. Die einheimischen Djaru Aborigines nennen den Krater „Kandimala“, hier stieg in ihrer Traumzeit-Geschichte eine Regenbogenschlange aus dem Boden.

Im Rahmen des Vortrags wird Rainer Bartoschewitz über die Entstehung des Kraters und die Bedeutung der Regenbogenschlange berichten.

Termin: Mittwoch 01. April 2026 um 18 Uhr im Historischen Museum Schloss Gifhorn

Die Veranstaltung ist kostenfrei, Spenden sind willkommen