Tag 19: Der letzte Spatenstich

Nachdem im Laufe des Vormittags alle Arbeiten am Wallschnitt abgeschlossen, sämtliche Funde und Proben verpackt und inventarisiert und sogar das Werkzeug schon gereinigt war, streikte an Schnitt 2 mal wieder die Technik.

Gegen Feierabend wurden die Schaufeln wieder ausgepackt!

Die über 120 Kubikmeter Erde, die in den vergangen vier Wochen an der Sassenburg bewegt worden waren, mussten schließlich wieder zurückgefüllt werden. Damit für die Dokumentation ausreichend Zeit zur Verfügung steht, wurde im Vorfeld beschlossen, die Rückfüllaktion mit einem Bagger durchzuführen. Leider ging diesem noch vor Feierabend die Luft bzw. der Sprit aus. Doch nach all den tollen Erlebnissen der vergangenen Wochen konnte auch dieser kleine Rückschlag uns nichts anhaben. Deshalb packten wir kurzerhand die Schaufeln und Schubkarren wieder aus, kehrten zurück an den Schnitt und schaufelten kräftig von Hand weiter.

Mit etwas Wehmut über das Ende der Grabung, aber durchaus auch etwas Vorfreude auf das wohlverdiente Feierabendgetränk, klang der letzte Grabungstag an der Sassenburg also noch einmal mit Schaufelarbeit aus. Doch bei allem Technikfrust überwiegt die Freude. Das liegt nicht nur an der reichen archäologischen Ausbeute, sondern auch an all den vielen Menschen, die uns in den vergangenen Tagen und Wochen besucht und unterstützt haben. Dafür ein großes Dankeschön! 

Mit Vorfreude blicken wir nun auf die kommenden Ergebnisse der Fund- und Probenauswertung. Auf die Veröffentlichungen hierzu werden wir auf der Seite des MHV hinweisen. Natürlich werden wir an dieser Stelle auch vermelden, wenn es wieder heißt: Ehrenamt trifft Wissenschaft an der Sassenburg!

Tag 18: Der Countdown läuft

Die Grabungskampagne neigt sich dem Ende zu, aber die Arbeit wird nicht weniger. Da morgen alles wieder zugeschaufelt werden muss, musste es heute schnell gehen – und etwas länger. Bei all den tollen Ergebnissen machte das aber gar nichts, stattdessen waren alle mit vollem Elan dabei und das Motto “Ehrenamt trifft Wissenschaft” bewährte sich auch am letzten richtigen Grabungstag. Mittlerweile sitzt jeder Handgriff und jeder kann sich auf den anderen verlassen.

Bergung von Hölzern aus der Grabenverfüllung.

Im Norden (Schnitt 1) konnten die Arbeiten endgültig abgeschlossen werden. Nach dem Dokumentieren der Hauptprofile wurden aus den vielversprechendsten Befunden weitere Proben für naturwissenschaftliche Untersuchungen entnommen. All die entnommenen Hölzer, Holzkohle- und Bodenproben werden dabei helfen, ein möglichst umfassendes Bild von der Sassenburg vor 1000 Jahren zu zeichnen. Doch bevor es dazu kommt, muss die Grabung abgeschlossen werden.

Probenentnahme.

Im östlichen Wallschnitt (Schnitt 2) – von uns liebevoll Heinrich-Schliemann-Gedächtnis-Schnitt getauft – mussten ebenfalls die Hauptprofile dokumentiert werden. Bei einer Gesamtlänge von fast 30 Metern bedeutete das, dass mehrere Zeichen- und Vermessungsteams gleichzeitig arbeiten mussten. Zwischenzeitlich klang es, als wäre die Frankfurter Börse an der Sassenburg zu Gast, so viele Zahlen und Maßangaben schallten über die Fläche.

Dokumentationsarbeiten allerorten.

Bei all der Dokuarbeit gab es dennoch neue Funde: Beim Abbau der Hölzer im Graben konnten weitere gut erhaltene Exemplare geborgen werden. Scheinbar hat die Sassenburg nur darauf gewartet, untersucht zu werden, so bereitwillig offenbart sie uns jeden Tag neue Fakten. Dennoch ist schon das Ende der diesjährigen Grabungskampagne in Sicht.

Tag 17: Profil- und Holzprofis

Mit bester Laune ging es heute vor allem darum, die Fragen zu klären, die zum Ende des gestrigen Tages aufgekommen waren. Leider gab es direkt einen Downer am Morgen: So bestätigte sich die Vermutung über die am Nordwall gefundenen Hölzer. Bei genauerer Betrachtung entpuppten sie sich als verrotteter Zaunpfahl, der erst vor wenigen Jahren in den Untergrund gerutscht war. Allerdings gibt es auch Positives von der Nordseite zu berichten. So konnte das an Tag 13 gefundene Holz geborgen werden, welches sich in einem erstaunlich guten Zustand für dendrochronologische Untersuchungen befindet und daher für eine Analyse eingeschickt werden wird. Zusätzlich konnten aus den verkohlten Bereichen mehrere Proben für C14-Datierungen entnommen werden. Zum Abschluss des Tages wurden dann die Profile für die endgültige Dokumentation vorbereitet.

Putzen des Planums in Schnitt 1: Die letzten Zentimeter sind immer die schwersten….

An der Ostseite stand heute ebenfalls die Vorbereitung der Profile im Vordergrund. Im gesamten Schnitt wurde fleißig geputzt, um die Profile für die abschließende Dokumentation vorzubereiten. Während der Arbeiten kam zudem ein weiteres stark verkohltes Holz zum Vorschein, und zwar unterhalb der Hölzer, die am Vortrag sofort zerfallen waren. Vielleicht haben wir hier mehr Glück! Doch das Holz vom westlichen Wallbereich stand ja auch noch aus. Nachdem alles säuberlich dokumentiert wurde, ging es an die Bergung. Mit äußerster Vorsicht wurde Holz entnommen, das sich sehr wahrscheinlich ebenfalls für eine dendrochronologische Analyse eignet! Damit sind wir auf der Zielgeraden, um das wahre Alter der Sassenburg zu erfahren.

Auch in Schnitt 2 warten noch einige Profilmeter auf ihre Dokumentation.

Damit war der Tag allerdings noch nicht vorbei. Die vermutliche mesolithische Feuerstelle an der östlichen Innenseite des Walls wartete ebenfalls darauf, näher untersucht zu werden. Beim Abbau der Steinpackung kamen weitere, etwas kleinere Steine zum Vorschein, aber auch weitere Silexabschläge. Da darin auch Holzkohle lag, sollte es möglich sein, das Alter auch dieses Befundes zu bestimmen.

Die verkohlten und sehr zerbrechlichen Hölzer werden mit Folie umwickelt und sorgfältig verpackt.

Mit einem sehr guten Gefühl und einem erfrischenden Getränk geht ein weiterer ereignisreicher Tag zu Ende. Wir sind gespannt, was uns zum Abschluss noch erwartet!

Tag 16: Der Endspurt beginnt

Nachdem wir am Wochenende die Großsteingräber der Altmark besichtigten und einen Einblick in die Grabung der „Jungen Archäologen der Altmark“ bei Rockenthin erhalten haben, starteten wir ausgeruht und mit der üblichen Vorfreude in die letzte Woche der Grabung. Der Endspurt bis zur Verfüllung der Schnitte am Donnerstag hat begonnen!

An der Nordseite der Sassenburg wurde heute das nächste Planum angelegt. Obwohl die Kombination aus Wind, feinem Sand und fallenden Kiefernzapfen dem Grabungsteam zwischenzeitlich alles abverlangte, gab es hier gegen Ende des Arbeitstages dennoch ein kleines Gefühlshoch. So zeigten sich nahe der Wallkuppe, auf der zum Inneren gelegenen Seite des Nordwalls, erneut mehrere Hölzer. Der überraschend gute Erhaltungszustand wirft bisher noch einige Fragen auf und legt die Vermutung nahe, dass es sich um Hölzer handelt, die nicht mit dem Ringwall der Sassenburg in Verbindung stehen. Genaue Aussagen werden sich aber erst am morgigen Tag treffen lassen, wenn die Freilegung weiter vorangeschritten ist.

Mindestens genauso spannend verliefen auch die heutigen Arbeiten im östlichen Bereich des Ringwalls. Hier wurden in erster Linie der Schnitt weiter abgetieft, um dem Ziel eines vom Graben bis zur Wallinnenseite verlaufenden Profils näher zu kommen. Dazu musste sich gerade im Bereich zwischen Wallkuppe und Graben mit dem bereits bekannten Ortstein auseinandergesetzt werden. Zeitgleich wurde auf der Wallkuppe probiert, eine Probe für eine Dendrodatierung aus dem verkohlten Holzriegel zu gewinnen – leider erfolglos. Trotz äußerster Vorsicht zerfiel das stark verkohlte Holz sofort. Alle Hoffnungen liegen daher auf dem zweiten Holzriegel im selben Grabungsschnitt. Hier erscheint der Erhaltungszustand, zumindest dem äußeren Eindruck nach, deutlich besser.

Vorbereitung der Hölzer zur Probenentnahme.

Ein ganz besonderes Highlight kam unterdessen auf der Wallinnenseite zum Vorschein. Hier wurden während des Abtiefens mehrere dicht beieinander liegende Steine gefunden. Die Steine weisen Spuren von Hitzeeinwirkungen auf und befinden sich in der Bleichsandschicht unterhalb des abgeflossenen Wallmaterials. Aus dem direkten Umfeld der Steinpackung liegen eine Vielzahl an Silexabschlägen und einige Silexklingen vor. Sollte es sich bei der Steinpackung um eine mesolithische Feuerstelle handeln? Genauere Aussagen werden sich auch hier höchstwahrscheinlich erst in den nächsten Tagen treffen lassen. Es bleibt also spannend!

Eine kleine Steinpackung im Bleichsand unter dem Wall gibt Rätsel auf.

Tag 15: Tag der offenen Grabung und erste Datierungen

Nach rund drei Wochen archäologischer Feldarbeit stand heute unser „Tag der offenen Grabung“ an. Da traf es sich gut, dass pünktlich zu diesem Termin auch die ersten Datierungen eingetroffen sind! Doch dazu gleich mehr….

Die Mitglieder des Museums- und Heimatvereins Gifhorn bei der Führung über das Grabungsgelände.

Als erster Besucher des Tages informierte sich zunächst der Landrat des Landkreises Gifhorn, Herr Dr. Andreas Ebel, über die aktuellen Forschungen auf dem Gelände der Sassenburg. Der Landrat zeigte sich beeindruckt von der geleisteten Arbeit und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass künftig noch weitere Projekte dieser Art durchgeführt werden. Nach einer exklusiven Führung für die Mitglieder des Museums- und Heimatvereins Gifhorn öffneten sich die „Burgtore“ dann ab 13 Uhr für die Öffentlichkeit, die dieses Angebot auch gerne annahm. So konnten wir bis 17 Uhr mehr als 210 BesucherInnen bei uns begrüßen! Mit Abstand und Maske ging es von Schnitt 1 zu Schnitt 2, wobei die Gruppen abwechselnd durch die Studierenden und die Grabungsleiter geführt wurden. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an alle BesucherInnen für das Einhalten der Corona-Regeln und das große Interesse an unserer Arbeit!

Die zur Beprobung eingesandten Hölzer erbrachten Fälldaten von “um/nach 957” bzw. “um/nach 999 n. Chr.”.

Nun aber zum wissenschaftlichen Highlight des Tages, den Datierungen. Zur dendrochronologischen Untersuchung eingesandt hatten wir drei der Hölzer, die auf der Sohle des vorgelagerten Grabens zum Vorschein gekommen waren (s. Tag 6). Die Hölzer geben zwar nur eine Datierung für die Verfüllung des Grabens, aber die hat es in sich. Während sich eines der Eichenhölzer aufgrund zu weniger Jahrringe nicht datieren ließ, konnte für die beiden anderen ein Fälldatum von “um/nach 957” bzw. “um/nach 999 n. Chr.” ermittelt werden. Ein Volltreffer! Damit landen wir in einer Epoche, die durch zahlreiche gewaltsame Konflikte zwischen den Sachsen und Slawen gekennzeichnet war. Haben diese Auseinandersetzungen auch zur Zerstörung unserer Befestigung geführt? Für die zukünftige Sassenburg-Forschung wird diese Frage zweifellos von zentraler Bedeutung sein.

Tag 14: Mehr Keramik, Mikrolithen und Hölzer

Wie so oft hatten wir einen ereignisreichen Tag. Da mittlerweile alle mit den Arbeitsabläufen vertraut sind, können alle in den verschiedenen Bereichen ohne große Zwischenfragen ans Werk gehen. Weil auf einer Ausgrabung aber unterschiedliche Arbeitsschritte häufig gleichzeitig und nebeneinander ablaufen, kann man sich schon auch mal in die Quere kommen. Deshalb mussten heute einige fleißige SchauflerInnen des Öfteren kurz in Deckung gehen, um die laufenden Vermessungsarbeiten nicht zu stören.

Vermessungsarbeiten im östlichen Grabungsschnitt.

Wieder aufgetaucht, konnte emsig weitergeschaufelt werden und es dauerte gar nicht lang, da waren schon die nächsten Funde entdeckt. Bereits am Vormittag wurden an der Außenseite des östlichen Walles wiederum verschiedene Werkzeuge und Abschläge aus Feuerstein gefunden. Auf der Wallkuppe wurde zudem mit einem feineren Sieb gearbeitet, wodurch auch einige sehr kleine Mikrolithen gefunden wurden.

Auf der östlichen Wallkuppe und an der Innenseite konnten zudem weitere Keramikfunde geborgen werden. Sie stammen vermutlich aus derselben Schicht wie am Nordwall. Bislang ist die Keramik jedoch wenig aussagekräftig und es bleibt zu hoffen, dass noch ein paar verzierte oder größere Stücke gefunden werden, an denen mehr charakteristische Merkmale zu erkennen sind.

Im Zusammenspiel mit den übrigen Befunden von heute ergibt sich aber auch so ein immer deutlicheres Bild von der ursprünglichen Gestalt der Sassenburg. Im Bereich der neuen Sondage ist ein weiteres Planum angelegt worden, wodurch die verbrannten Hölzer deutlicher zu erkennen waren. Zudem deutet sich hier – aber auch an der Wallinnenseite im Ostschnitt – eine weitere größere Brandschicht an, die es zu untersuchen gilt. Eine Idee ist gegenwärtig, dass es sich um die verstürzten Überreste einer verbrannten Holzkonstruktion handelt, die auf der Wallinnenseite gestanden hat.

Gegen Feierabend wurden erste Vorbereitungen für den morgigen “Tag der offenen Grabung” (13 bis 17 Uhr) getroffen. Zudem schauten zu aller Überraschung einige KollegInnen aus Leipzig vorbei, denen wir voller Stolz die bisherigen Entdeckungen und Überlegungen präsentierten. Ihr Lob und Staunen über die tollen Erhaltungsbedingungen gibt allen AusgräberInnen noch einmal extra Motivation für die morgigen Freitag.

Tag 13: erste Keramikfunde und verkohlte Hölzer jetzt auch im nördlichen Grabungsschnitt

Auch heute hieß es wieder zeitig aufstehen und frisch auf die Ausgrabungsfläche. Während zunächst alles seinen gewohnten Gang nahm und verschiedene Plana dokumentiert und vermessen, die analogen Zeichenarbeiten von gestern fortgesetzt und schließlich beendet wurden, ließen erste spannende Erkenntnisse nicht lange auf sich warten.

Gut Ding will Weile haben: Hier entsteht die Zeichnung vom südlichen Grabenprofil.

Zuvor noch konzentriert bei der Arbeit, verbreitete sich von dem fast abgeschlossenen Schnitt 1 schnell die Nachricht von Keramikfunden. Unter den Grabungskräften sorgte dies für große Begeisterung, denn das sind auf der Sassenburg die ersten Funde dieser Art! Doch nicht nur deshalb sind die Keramikfunde etwas Besonderes. Tatsächlich ermöglichen sie einen Hinweis auf die zeitliche Einordnung der Anlage. Dies ist jedoch noch abzuwarten, da eine genaue Betrachtung erst nach gründlichem Säubern und Trocknen der Funde möglich ist. Wir bleiben gespannt! Doch die Funde bestätigten zugleich ein wenig das Bauchgefühl der Grabungsleitung.

Die ersten Keramikscherben von der Sassenburg.

Denn bevor Schnitt 1 endgültig aufgegeben werden sollte, traute man sich noch an einen leicht versetzten Sondageschnitt in Richtung Innenraum. Mit dem Wissen um die Abstände der Holzkonstruktion im Ostbereich konnten dabei ebenfalls verkohlte Balken in ganz ähnlicher Lage wie in Schnitt 2 nachgewiesen werden. Dadurch ist der Befund der parallelen Holzeinbauten gesichert und es liegt nahe, diese Konstruktion für den gesamten Wallverlauf anzunehmen.

Auch im nördlichen Grabungsschnitt treten nun verkohlte Hölzer auf.

All diese spannenden Funde und Befunde galt es nun wieder ordentlich zu dokumentieren. Der Spaten wurde also beiseite gelegt und Stift und Vermessungsgerät kamen zum Einsatz. Leider konnten heute nicht alle Informationen verarbeitet werden, sodass noch genügend Dokumentationsarbeit in den nächsten Tagen nötig sein wird. Doch mit diesen schönen Ergebnissen des heutigen Tages freuen wir uns darauf und sind gespannt, welche Erkenntnisse wir der Sassenburg morgen entlocken können. Zu guter Letzt wurde für den Tag der offenen Ausgrabung am Freitag ein kleiner Rundgang ausgearbeitet, bei dem die BesucherInnen alle neuen Erkenntnisse gezeigt bekommen können. Wir freuen uns auf Ihren/Euren Besuch!

Tag 12: Analoges Arbeiten im digitalen Zeitalter

Ein weiterer Tag auf der Sassenburg mit spannenden Funden und Befunden ist vorbei. Trotz einiger Schauer und fast herbstlichen Temperaturen sind die Grabungsarbeiten erfolgreich vorangegangen.

Am Nordwall wurden die detaillierten Profilzeichnungen abgeschlossen. Diese aufwendige und auf den ersten Blick altmodisch wirkende Tätigkeit ist in der Archäologie weiterhin ein wichtiger Teil der Dokumentation. Maßstabsgetreue Zeichnungen und beschriftete Skizzen haben gegenüber der Fotografie und Vermessung den Vorteil, dass man mit ihnen bestimmte Informationen unabhängig von Lichteinfall, Wetter, technischen Störungen oder anderen Umständen festhalten und hervorheben kann. Deswegen begannen heute auch die Zeichenarbeiten im östlichen Grabenabschnitt.

Alles wird analog gezeichnet (links) und digital mit dem Tachymeter (rechts) dokumentiert.

Diese umfangreichen Dokumentationsarbeiten sind notwendig, da bei einer Ausgrabung die im Boden verborgenen Strukturen unwiederbringlich zerstört werden. Künftigen ForscherInnern mit neuen technischen Voraussetzungen werden dadurch möglichst viele Informationen bereitgestellt. An der Sassenburg geschieht dies in besonderem Maße, da es ein Ziel unserer Lehrgrabung ist, möglichst alle Ausgrabungs- und Dokumentationsschritte kennenzulernen und ihr Potential zu verdeutlichen.

Nachdem heute auch in den letzten Abschnitten des östlichen Schnittes 2 mit der Freilegung begonnen wurde, erschließen sich nun immer deutlicher die Befundverhältnisse mit der tollen Holzerhaltung. Diese verbinden die einzelnen Bereiche zu einer etwa 27 Meter langen, zusammengehörigen Grabungsfläche.

Eine große Überraschung brachte vor allem der Abschnitt an der Wallaußenseite. Hier kamen bereits nach geringer Tiefe zahlreiche Silexartefakte zutage. Das sorgfältige Sieben des Aushubs brachte mehrere vollständige Geräte aus Feuerstein zum Vorschein. Diese können, ähnlich wie die zuvor gefundenen Klingenfragmente, bis in die Mittel- oder jüngere Altsteinzeit zurückdatiert werden. Es wird immer deutlicher, dass die eiszeitliche Düne in der Alleraue seit langer Zeit als Aufenthaltsort genutzt wurde.

Beim Sieben kommen immer wieder Werkzeuge aus Feuerstein zum Vorschein.

Selbst eine kleine Verletzung eines Kollegen und ein kurzer Starkregen kurz vor Feierabend konnten die Neugier des Grabungsteams für die nächsten Tage nicht trüben. Wie in den 11 vorangegangenen Arbeitstagen halten die Funde und Befunde, aber auch der leckere Schokoladenkuchen des heutigen Tages die Motivation hoch und machen Lust auf mehr.

Tag der offenen Grabung auf der Sassenburg am 20. August

Hervorgehoben

Am kommenden Freitag, 20. August, besteht zwischen 13 und 17 Uhr die Möglichkeit, sich über die laufenden archäologischen Untersuchungen an der Sassenburg zu informieren. Bei Führungen über das Gelände werden neben den aktuellen Erkenntnissen auch die verschiedenen archäologischen Dokumentationsverfahren vorgestellt. Die Ausgrabungen im östlichen Stadtgebiet von Gifhorn werden von der Kreis- und Stadtarchäologie Gifhorn in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig (Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte) und der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft im Museums- und Heimatverein Gifhorn e.V. durchgeführt. In einem eigens eingerichteten Grabungsblog berichtet das Team regelmäßig über die Fortschritte.

Bei der Anreise mit dem Auto wird darum gebeten, das Fahrzeug an der IGS Sassenburg abzustellen und von dort zu Fuß zur Sassenburg zu gehen. Soweit möglich, wird eine Anreise mit dem Fahrrad empfohlen. Das Gelände ist uneben, die Kreisverwaltung empfiehlt daher festes Schuhwerk. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Nach der niedersächsischen Corona-Verordnung besteht jedoch die Pflicht, während der Führungen eine Mund-Nasenbedeckung zu tragen.

Tag 11: eine Kastenkonstruktion im Wall?

Ein sehr informatives Wochenende verbrachten wir an den Megalithgräbern Lübbensteine und im Forschungsmuseum Schöningen (“Paläon”). Dort durften wir sogar die aktuelle Grabung an dem etwa 300.000 Jahre alten Fundplatz besichtigen. Derart inspiriert starteten wir heute voller Vorfreude in die neue Woche. Diese begann jedoch zunächst mit einem Rettungseinsatz: Über das Wochenende hatten sich eine kleine Kröte und eine Maus in eine der tieferen Grabungsflächen verirrt. Dank gemeinsamer Bemühungen konnten beide wohlbehalten zurück in die Freiheit entlassen werden.

Dieser unfreiwillige Besucher wurde wieder in die Freiheit befördert.

Damit zurück zum eigentlichen Thema. Die Grabungsarbeiten am nördlichen Wall wurden heute endgültig zum Abschluss gebracht. Dabei wurde den Profilen der letzte Feinschliff verpasst, damit sie fotografiert und eingemessen werden konnten. Morgen können dann auch die abschließenden Profilzeichnungen erfolgen. Es zeigt sich wieder einmal, dass die überaus wichtige Dokumentation mindestens ebenso zeitaufwendig ist wie die Befundfreilegung.

Im östlich gelegenen Schnitt 2 wurden weitere Profile im Bereich des Grabens und auf der Wallkuppe dokumentiert. Das bereits am Donnerstag aufgefundene Holz stellte sich bei der Freilegung als deutlich größerer Befund heraus. Er gleicht in seinen Ausmaßen und seiner Ausrichtung dem bereits ergrabenen, parallel verlaufenden Holzriegel. Ein Zusammenhang liegt nahe. Auch das Vorhandensein eines dritten Holzriegels an der Innenseite des Walls erscheint denkbar. Um dies zu überprüfen, wurde der Schnitt in diesem Bereich nochmals deutlich erweitert. Als möglicher Interpretationsansatz für diesen Aufbau kommt eine Kastenkonstruktion in Frage, wie sie von slawischen Burgen bekannt ist. Andererseits könnte es sich vielleicht auch um eine abgebrannte Palisade handeln, die zu einem späteren Zeitpunkt in den Wall eingebracht wurde. Fest steht aber in jedem Fall, dass die Konstruktion irgendwann abbrannte, ein kriegerischer Zwischenfall ist daher nicht auszuschließen.

An der Außenseite des Walls kam ein zweiter Holzbefund zum Vorschein.

Aufgrund des stärker werdenden Regens waren wir gegen Abend leider gezwungen, die Untersuchung heute früher als üblich abzuschließen. Wir sind aber zuversichtlich, dass uns das Wetter in den nächsten Tagen wieder gewogen ist. Und falls nicht: ArchäologInnen sollten kein Problem damit haben, auch einmal im Regen zu stehen.

Das Gute am Regen: Das Meiste fällt vorbei…