Tag 11: eine Kastenkonstruktion im Wall?

Ein sehr informatives Wochenende verbrachten wir an den Megalithgräbern Lübbensteine und im Forschungsmuseum Schöningen (“Paläon”). Dort durften wir sogar die aktuelle Grabung an dem etwa 300.000 Jahre alten Fundplatz besichtigen. Derart inspiriert starteten wir heute voller Vorfreude in die neue Woche. Diese begann jedoch zunächst mit einem Rettungseinsatz: Über das Wochenende hatten sich eine kleine Kröte und eine Maus in eine der tieferen Grabungsflächen verirrt. Dank gemeinsamer Bemühungen konnten beide wohlbehalten zurück in die Freiheit entlassen werden.

Dieser unfreiwillige Besucher wurde wieder in die Freiheit befördert.

Damit zurück zum eigentlichen Thema. Die Grabungsarbeiten am nördlichen Wall wurden heute endgültig zum Abschluss gebracht. Dabei wurde den Profilen der letzte Feinschliff verpasst, damit sie fotografiert und eingemessen werden konnten. Morgen können dann auch die abschließenden Profilzeichnungen erfolgen. Es zeigt sich wieder einmal, dass die überaus wichtige Dokumentation mindestens ebenso zeitaufwendig ist wie die Befundfreilegung.

Im östlich gelegenen Schnitt 2 wurden weitere Profile im Bereich des Grabens und auf der Wallkuppe dokumentiert. Das bereits am Donnerstag aufgefundene Holz stellte sich bei der Freilegung als deutlich größerer Befund heraus. Er gleicht in seinen Ausmaßen und seiner Ausrichtung dem bereits ergrabenen, parallel verlaufenden Holzriegel. Ein Zusammenhang liegt nahe. Auch das Vorhandensein eines dritten Holzriegels an der Innenseite des Walls erscheint denkbar. Um dies zu überprüfen, wurde der Schnitt in diesem Bereich nochmals deutlich erweitert. Als möglicher Interpretationsansatz für diesen Aufbau kommt eine Kastenkonstruktion in Frage, wie sie von slawischen Burgen bekannt ist. Andererseits könnte es sich vielleicht auch um eine abgebrannte Palisade handeln, die zu einem späteren Zeitpunkt in den Wall eingebracht wurde. Fest steht aber in jedem Fall, dass die Konstruktion irgendwann abbrannte, ein kriegerischer Zwischenfall ist daher nicht auszuschließen.

An der Außenseite des Walls kam ein zweiter Holzbefund zum Vorschein.

Aufgrund des stärker werdenden Regens waren wir gegen Abend leider gezwungen, die Untersuchung heute früher als üblich abzuschließen. Wir sind aber zuversichtlich, dass uns das Wetter in den nächsten Tagen wieder gewogen ist. Und falls nicht: ArchäologInnen sollten kein Problem damit haben, auch einmal im Regen zu stehen.

Das Gute am Regen: Das Meiste fällt vorbei…

Tag 10: Halbzeit!

Kaum zu glauben, aber die Hälfte der Grabung ist vorbei. Am nördlichen Wall sind die Arbeiten nahezu abgeschlossen. Die Hauptprofile wurden heute sorgfältig geputzt, um eine möglichst genaue Beschreibung der unterschiedlichen Schichteinheiten anzufertigen. Dabei ergaben sich erste Interpretationsansätze, die im weiteren Verlauf der Grabung überprüft werden können. Eine holzkohlehaltige Eintiefung befindet sich sicherlich nicht zufällig an der höchsten Stelle einer natürlich entstanden Sanddüne. Diese Düne nutze man vermutlich an dieser Stelle ganz gezielt für die Errichtung der Verteidigungsanlage. Der eigentliche Wall ist heutzutage weniger als einen Meter hoch erhalten. Eventuell diente die Eintiefung an der höchsten Stelle als Fundamentgraben für eine Palisade, von der sich wohl nur die verkohlten Reste erhalten haben.

Uwe Kraus erläutert die Bodenschichten in Schnitt 1.

Derzeit besteht die Hoffnung im östlichen Schnitt 2, welcher bessere Erhaltungsbedingungen bietet, eine ähnliche Struktur nachzuweisen. Aus diesem Grund wird ab der nächsten Woche der Fokus auf Schnitt 2 gelegt, denn auch hier haben sich heute neue Erkenntnisse gezeigt. Stay tuned!

Beim Anlegen eines neuen Profils auf der östlichen Wallkuppe zeichneten sich humose Bänder ab, die darauf hindeuten, dass an dieser Stelle eine Aufschüttung für die Wallkonstruktion stattgefunden hat. Unterhalb dieser Schicht traten wieder vermehrt Feuersteinabschläge und Klingenfragmente aus dem Mesolithikum auf.

Währenddessen wurde im Graben das letzte Planum fertiggestellt und anschließend detailliert dokumentiert. Bei der Bergung der armdicken Rundhölzer konnten wir feststellen, dass diese wohl doch eher die Wurzeln eines alten Baumes waren. Dieser kann zum Zeitpunkt der Grabenentstehung nicht mehr vorhanden gewesen sein, was für die Datierung des Grabens natürlich von besonderer Bedeutung ist! Die Wurzelhölzer konnten zwar einzeln geborgen werden, wiesen aber keine gespitzten Enden auf, wie man es bei Pfosten erwarten würde. Mutmaßlich haben sich die Wurzelspitzen durch ihre Lage in einer Schichtwasser führenden Kiesschicht erhalten.

Im zweiten Planum in Schnitt 2 entpuppen sich die Hölzer als Wurzeln.

Gegen Ende dieses erlebnisreichen Freitag den 13. schauten die KollegInnen vorbei, die wir letzte Woche besucht hatten (siehe Blog vom 06.08.). Dabei konnten wir unsere bisher gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse fachkundig austauschen.

Damit gehen wir in ein sicherlich entspanntes Wochenende und sammeln neue Kräfte, um die nächsten Woche wieder mit voller Kraft zu beginnen.

Tag 9: auf der Sassenburg hat es gebrannt

Die zweite Woche ist so gut wie vorüber und obwohl wir täglich mehr Informationen über den Aufbau der Sassenburg erhalten, ergeben sich doch auch immer wieder neue Fragen.

So wird bei der anstehenden Dokumentation der Hauptprofile im Nordbereich der Fokus auf den Wallaufbau gerichtet. Allerdings sind die freigelegten Befunde hier noch nicht endgültig zu bestimmen. Insbesondere die dunklen Eintiefungen, die sich bereits im Planum als parallele Streifen angedeutet haben, müssen hinterfragt werden. In Ihnen liegen zwar ebenfalls einige größere Holzkohlebrocken und Feuersteinabschläge – allerdings keine Hölzer wie im Ostwall. Mutmaßlich ließen die Bodenverhältnisse an dieser erhöhten Stelle keine Holzerhaltung zu.

“Old school”: Die Profile werden nicht nur fotogrammetrisch aufgenommen, sondern auch gezeichnet.

Im östlichen Schnitt konnten indes erneut Hölzer festgestellt werden. Bei der heute begonnen Freilegung des Außenbereichs – sozusagen zwischen Wallkuppe und Graben – kam bereits wenige Zentimeter unter der aktuellen Geländeoberfläche ein weiteres verkohltes Holz zutage. Auffällig ist, dass auch dieses dem Verlauf des Walles folgt und nicht etwa quer zur Wallkuppe ausgerichtet ist. Möglicherweise wurde bei der Errichtung des Walles zu seiner heutigen Form verkohltes Material entlang einer bereits bestehenden Anhöhe eingebracht. Ob dabei aber die verbrannten Überreste einer älteren Anlage für den Umbau zu einer jüngeren Befestigung genutzt wurden, oder aber ein einmaliges Ereignis dahinter steht, wird sich hoffentlich in den nächsten Tagen feststellen lassen.

Im Wall liegen verbrannte Hölzer.

Im Grabenbereich wurde derweil die Dokumentation der im Untergrund steckenden Hölzer fortgesetzt, sodass morgen die weitere Freilegung und eventuell die Bergung erfolgen kann. Auch dieser Befund wirft nach wie vor Fragen auf. Einige der Hölzer wirken wie Baumwurzeln, andere erinnern an bearbeitete Rundhölzer (Staketen). Eine genaue Ansprache kann jedoch erst nach der Bergung erfolgen. Im Anschluss daran, wird sich dann ergeben, ob in tieferen Lagen noch mehr Befunde auftreten.

Tag 8: Eine hölzerne Angelegenheit

Während am Nordwall weiter das nächste Planum vorbereitet wurde – gegen Ende des Tages kam noch ein eventueller Pfosten am Westprofil zum Vorschein – stand an diesem Grabungsabschnitt heute die Profildokumentation im Vordergrund. Das am Vortag vorbereitete Profil wurde gezeichnet, eingemessen und beschrieben.

Zu helles Licht bzw. starke Schatten stören beim Fotografieren. Eine Folie hilft.

Deutlich ereignisreicher ging es im Osten der Anlage zu. Auf der Wallkuppe wurden die gestrigen Befunde näher untersucht. Dabei stießen wir auf einen mindestens 0,25 m dicken Holzbalken, der anscheinend einem Feuer zum Opfer gefallen ist. Ein großer Feldstein direkt neben dem Holz stützte offenbar die hier zu vermutende Konstruktion.

Im Grabenbereich am Wallfuß wurden die entdeckten Hölzer vorsichtig aus der Grabenverfüllung geborgen. Einige sind auffällig symmetrisch oder machen einen bearbeiteten Eindruck. Beim weiteren Abtiefen kamen anschließend mehrere armdicke Rundhölzer zum Vorschein. Diese sind anscheinend von der Grabensohle in den feuchten Boden eingerammt worden, wobei sie einen annähernd ovalen Grundriss bilden. Welche Funktion mag diese Struktur ursprünglich gehabt haben? Dieser Frage werden wir in den folgenden Tagen auf jeden Fall nachgehen. Sowohl die Vermessung als auch die Vorbereitung für das Planum haben bereits begonnen.

Die Hölzer im Graben werden freigelegt.

Unterdessen ist die Arbeit im Schnitt am inneren Wallfuß nahezu abgeschlossen. Nach der erfolgten Dokumentation ist hier erst einmal Schluss, um sich in den nächsten Tagen auf die vielversprechenden Holzbefunde zu konzentrieren.

Die Wiese vor der Sassenburg am frühen Morgen. Es gibt schlechtere Arbeitsplätze….

Tag 7: Ortstein, Schwemmbänder und Kuchen

Hoch motiviert starteten wir in den 7. Tag der Ausgrabung an der Sassenburg. Am Nordwall wurde den mutmaßlichen Querbauten, die das Abrutschen des aufgeschütteten Sandes verhindert haben könnten, weiter nachgegangen. Nach der Anlage zweier Profilstege zeigten sich hier gelb-braune und graue Aufschüttungen, die vereinzelt von Holzkohle durchzogen sind. Die neu formulierte Arbeitshypothese zu dieser linearen Struktur lautet daher: „Sandhügelhypothese“. Es erscheint denkbar, dass beim Aufbau des Walls zwischen zwei gelb-braunen Aufschüttungen graues, schwach humoses Material aus einem anderen Bereich eingebracht wurde. Letzte Gewissheit ob es sich um parallel zum Wall verlaufende Konstruktionen handelt, gibt es daher noch nicht. Am Wallfuß des nördlichen Bereiches wurde heute das Profil für die Dokumentation vorbereitet. Abgelagerte feine Schwemmbänder über der alten Oberfläche bezeugen mehrere Flutereignisse in der Alleraue.

Blick in den Schnitt am nördlichen Wall.

Im östlichen Bereich der Anlage wurde ebenfalls emsig gegraben. Auf der Wallkuppe tauchten dabei zwei Pfostenlöcher auf, so dass sogleich über eine mögliche Zugangssituation spekuliert wurde. Zumindest würde der eindeutig nachgewiesene Graben am östlichen Wallfuß zu einer solchen Torsituation passen, da er zusätzlichen Schutz für die schwächste Stelle im Ringwall – das Tor – bietet. Gestärkt mit leckerem Zucchini-Kuchen wurde währenddessen auf der Innenseite des Ostwalls weiter gegen den doch sehr harten Ortstein vorgegangen. Frei nach dem Motto: “Ist der Ortstein zu hart, bist du zu schwach.” Beim Sieben des Aushubs kam dabei ein weiteres Fragment einer Silexklinge zum Vorschein.

Heinz Gabriel erläutert die Funktionsweise des Feldpantographen.

Ein Highlight des heutigen Tages war die anschauliche Präsentation des Feldpantographen der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft. Das Gerät aus dem Jahr 1982 ist älter als die meisten TeilnehmerInnen der Grabungskampagne, funktioniert aber nach wie vor einwandfrei. Mit diesem mechanischen Präzisionsinstrument können zum Beispiel Befundgrenzen schnell und präzise im Maßstab 1:20 in eine Papierzeichnung übertragen werden – ganz ohne Akku oder irgendwelche Computerprobleme. Abgerundet wurde der heutige Arbeitstag mit einem zweiten leckeren Kuchen. Gut gestärkt freuen wir uns auf die Überraschungen, die die restliche Woche mit Sicherheit noch bringen wird!

Tag 6: Neue Befunde, neue Perspektiven

Nach einem erlebnisreichen Wochenende mit einem Ausflug entlang der Oker begann die zweite Woche mit neuen, spannenden Befunden. Am Nordwall zeigten sich in etwa einem Meter Tiefe Strukturen, die mutmaßlich das Abrutschen des aufgeschütteten Sandes verhinderten. Hier sind weitere Nachforschungen notwendig, um Gewissheit über die Gestalt dieser Konstruktion zu erhalten. Hoffen wir, dass nicht wieder der Tiefenpflug für die Verfärbungen verantwortlich war. Am Ende des Tages waren wir jedoch zuversichtlich, dass es sich tatsächlich um parallel zum Wall verlaufende Einbauten handeln könnte. Wir bleiben dran.

Gewissheit erhielten wir hingegen über den Verlauf des Grabens im Nordbereich. Mehrere Meter vom Wallfuß entfernt lässt sich zwar eine alte, überdeckte Oberfläche nachweisen, jedoch definitiv kein Graben. Auch wenn diese Erkenntnis zunächst enttäuschend erscheint, ist sie doch ein wichtiges Indiz für die ursprüngliche Gestalt der Sassenburg. Offenbar war eine weitere Absicherung des Geländes nur im Osten notwendig. Über die Hintergründe kann gegenwärtig jedoch nur spekuliert werden. Eine Möglichkeit wäre, dass die feuchte Alleraue in eben diesen Nordbereich ausreichend Schutz bot. Denkbar wäre aber auch, dass der noch heute über 4 Meter hoch erhaltene Wall hier stark genug befestigt gewesen ist. Eventuell sogar dank der im Planum festgestellten Konstruktion?

Kein Graben, dafür eine alte Oberfläche (dunkles Band), die zur Aller abfällt.

Im Ostbereich der Anlage wurden derweil spannende Neuentdeckungen gemacht! Im Bereich des östlich vorgelagerten Grabens kamen Hölzer zum Vorschein, die mit großer Sicherheit von Menschen zugearbeitet wurden. Auch wenn die Hölzer noch nicht vollständig freigelegt sind, scheint es sich zumindest in einem Fall um ein Brett oder eine Bohle zu handeln. Das Holz eignet sich als Probenmaterial für eine C14- oder vielleicht sogar für eine Dendrodatierung, so dass am Ende der Untersuchung eine genauere Datierung der Grabenverfüllung möglich sein wird. Wie tief der Graben ursprünglich war, können wir derzeit noch nicht sagen, da die Sohle noch nicht erreicht ist. Möglicherweise warten dort aber noch weitere Überraschungen auf uns?!

Hölzer in der Grabenverfüllung.

Eine ganz neue Perspektive auf unsere Grabung liefern unterdessen Fotos, die von einem Mitglied der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft mit Hilfe einer Drohne aufgenommen wurden. Aus luftiger Höhe wird nicht nur die idyllische Lage der Wallanlage, sondern auch ihre beeindruckende Dimension erst wirklich deutlich.

Die Sassenburg bei Gifhorn von Nordosten.

Tag 5: mit Vorfreude ins Wochenende

Die erste Woche verging wie im Flug. Der heutige Tag sogar ganz besonders. Das lag nicht nur an dem heftigen Schauer, der uns zum Nachmittag von der Fläche jagte, sondern von den vielen Eindrücken abseits unserer Grabungsarbeiten. Denn der Tag begann mit dem Besuch einer anderen Ausgrabung, die zurzeit im Landkreis Gifhorn stattfindet. Dabei erhielten wir nicht nur einen Einblick in die bodenkundlichen Verhältnisse der Region, sondern auch in die Grabungstechnik erfahrener Feldarchäologen. Das akribische Arbeiten der KollgeInnen vor Ort soll uns ein Ansporn für die akkurate Bearbeitung unserer Profile sein.

Mit neuen Eindrücken und Erkenntnissen reisten wir also zurück in die Vergangenheit des Ringwalls an der Aller. Einer der Zeitreisenden war auch der Niedersächsische Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann, der sich mit uns die andere Grabung angesehen hatte und sich nun auch von den Forschungen an der Sassenburg ein Bild machen wollte.

Fachsimpeln mit Dr. Henning Haßmann vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege.

So hieß es dann aber noch einmal kräftig zupacken. Die Suche nach dem Graben im Nordbereich ging weiter – leider noch immer ohne die letzte Klarheit. Die Bodenverhältnisse lassen eine eindeutige Interpretation noch nicht zu. Da heißt es „tiefer gehen“. Dafür zeigt sich beim weiteren Abgraben des nördlichen Walles ein interessanter Aufbau aus mehreren Schichten unterschiedlicher Sandlagen mit zum Teil recht hohem Holzkohleanteil. Vielleicht ein Indiz für ein Feuer? Doch wie es scheint, müssen wir auch in diesem Bereich noch in tiefere Regionen vorstoßen.

Auf der Suche nach dem Graben.

Die anfänglichen Vermessungsprobleme konnten durch neu definierte Fixpunkte und Kontrollmessungen endgültig behoben werden. Diese „Baustelle“ scheint abgeschlossen.

Die Freilegung des Grabens im Ostbereich ging heute soweit voran, dass es am Montag mit den Dokumentationsarbeiten losgehen kann. Kurz bevor der Regen den verdienten Feierabend einläutete, kam ein weiteres Klingenfragment auf der zum Innenraum gewandten Seite des Walles zutage. Das Objekt ähnelt dem Klingenfragment vom gestrigen Tage und stammt wohl ebenfalls aus dem Mesolithikum. Tatsächlich ist das Material nahezu identisch, so dass angenommen werden kann, dass beide Klingen von ein und demselben Kernstein abgeschlagen wurden. Dieser freudige Umstand bietet Anlass zu der Vermutung, dass weitere Funde aus dem Mesolithikum auf uns lauern.

Damit starten wir mit voller Vorfreude in das Wochenende und sind gespannt auf die kommende Woche.

Tag 4: Höhen und Tiefen

Technik soll die Arbeit des Archäologen eigentlich erleichtern. Auch wenn sie dies oft vermag, lernten wir heute die Kehrseite des Fortschritts kennen. Aufgrund anhaltender Messprobleme mit dem Tachymeter mussten die an Tag 2 eingemessenen Fixpunkte neu gemessen werden. Zudem wurden neue Fixpunkte gesetzt, um das Tachymeter genauer zu stationieren. Dabei ging leider viel Arbeitszeit verloren. Erst gegen Feierabend ließ sich das Problem (hoffentlich) endgültig beheben, sodass in den nächsten Tagen fleißig vermessen werden kann.

Doch Rückschläge können uns nicht aufhalten, denn im Team lässt sich jede Herausforderung meistern. So konnte Grabungsschnitt 2 sowohl in der Länge als auch in der Tiefe deutlich erweitert werden. Dabei zeichnet sich im Bereich des vermuteten Grabens (siehe frühere Blogeinträge) ein spannendes Profil mit mehreren interessanten Schichten ab. Wie tief der Graben hinabreicht, werden die nächsten Tage verraten, wenn das Profil weiter freigelegt und untersucht wird.

“Befunddiskussion” vor dem noch unfertigen Grabenprofil.

Da der Ringwall der Sassenburg einen umlaufenden Graben nahelegt, wird nach eben jenem nicht nur in Schnitt 2 sondern auch in Schnitt 1 gesucht. Dafür wurde dort ein Sondageschnitt im Bereich des Wallfußes angelegt, um dem Verlauf des Grabens auf die Schliche zu kommen. Auch hier dürften die nächsten Tage interessante Erkenntnisse liefern. Wir bleiben gespannt!

Im Verlauf des Nachmittags gab es dann plötzlich helle Aufregung. Bei der Anlage eines Planums in Schnitt 2 wurden scheinbar Holzbohlen gefunden und diese noch dazu in bemerkenswerter Größe. Nachdem sich alle gespannt um die Grabungsfläche versammelt hatten, brachten weitere Untersuchungen jedoch schnell Ernüchterung bzw. um es mit den Worten des Grabungsleiters zu sagen „einen weiteren Downer kurz vor Feierabend“. Die Hölzer entpuppten sich lediglich als harter rostbrauner fester Sand natürlichen Ursprungs (Ortstein).

Doch mit so einer Enttäuschung können wir den Blog für den heutigen Tag nicht enden lassen. Neben einigen brandrissigen Steinen, die auf einen Einsatz von Feuer schließen lassen, fand sich außerdem ein Klingenfragment aus Silex, das dem Mesolithikum zuzuordnen ist. Der Fund passt gut in die archäologische Fundlandschaft des Landkreises, in dem es viele mesolithische Fundstellen gibt.

Dieses Klingenfragment aus dem Mesolithikum fand sich im Wallmaterial.

Tag 3: verkohltes, vergangenes und erhaltenes Holz

Der dritte Tag hielt mehrere Überraschungen bereit. In beiden Schnitten wurde jeweils das erste Planum angelegt. Holzkohlefunde auf der Wallkuppe in Schnitt 1 konzentrieren sich in einer vermutlichen Pflugspur. Im unteren Bereich dieses Schnitts wurde ein Profil erstellt. An dieser Stelle besteht der Wall nur zu einem geringen Teil aus künstlichen Aufschüttungen. Stattdessen hat man beim Bau des Ringwalls offenbar eine bereits vorhandene Düne umgestaltet. In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob hier auch ein vorgelagerter Graben vorhanden war.

Blick von der Wallkuppe bei Schnitt 1 in Richtung Aller.

Auch in Schnitt 2 geht es derweil zur Sache: Hier konnte auf der Wallkuppe eine rechteckige Grube dokumentiert werden, in der vermutlich einmal ein Holzpfosten gestanden hat – eine Palisade wäre denkbar. Noch interessanter sind zudem die Befunde im Bereich des von Schuchardt dokumentierten Walls (Eintrag vom 1. August), dessen Verfüllschichten allmählich sichtbar werden. Darin eingeschlossene Hölzer lassen darauf hoffen, dass in größerer Tiefe weitere Strukturen erhalten sind. Hierüber könnte im Anschluss der Grabung auch eine zeitlich Eingrenzung möglich sein.

Der dunkle rechteckige Befund auf der Wallkuppe in Schnitt 2 stammt vielleicht von einem Holzpfosten.

Die Stimmung im Team ist nicht nur wegen dieser Entdeckungen sehr gut. Das Motto „Ehrenamt trifft Wissenschaft“ bewährt sich voll und ganz. Jeder lernt vom Anderen. Zugleich zeigt sich, wie wichtig eine gewissenhafte Dokumentation ist, damit man nicht den Überblick verliert.

Obwohl es gegen Feierabend zu regnen begann, ist die Motivation weiterhin hoch, denn alle sind gespannt, was der kommende Tag bringen wird.

Tag 2: der Wurzelfilz muss weg, erste Funde

Der zweite Tag der Grabungskampagne begann noch einmal mit weiterem Freiräumen der Grabungsflächen und viel Zupfarbeit aufgrund von Wurzelfilz, insbesondere bei den gestern als Fahrspuren eingeschätzten Vertiefungen in Schnitt 2. Doch schnell wurde es auch schon wieder aufregend, denn sowohl in Schnitt 1 als auch in Schnitt 2 konnten bereits erste Funde gemacht werden. In beiden Schnitten fand sich an mehreren Stellen Holzkohle und in Grabungsschnitt 2, der über einen Grabenabschnitt hinwegreicht, ein Silex sowie ein faustgroßer brandrissiger Feldstein. Da der feinsandige Boden ansonsten vollkommen steinfrei ist, dürften diese Objekte von Menschenhand an ihren Fundort gelangt sein!

Uwe Kraus von der Uni Leipzig erklärt die Funktionsweise von Tachymeter und Prismenstab.

Nach dem Frühstück gab es eine Einführung in die Arbeit mit dem Tachymeter. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten bei der Datenübertragung zwischen dem Gerät und dem Computer lief die weitere Vermessung problemlos. So war es allen möglich, das gelernte Wissen im Umgang mit dem Tachymeter direkt praktisch anzuwenden, indem die Grabungsschnitte und Funde vermessen und in Grafiken bzw. Vermessungskarten eingefügt wurden. Des Weiteren wurde auch ein Höhennivellement der Grabungsschnitte angefertigt und die beiden Grabungsflächen noch einmal verlängert.

Danach war es Zeit, um mit der eigentlichen Ausgrabungstätigkeit zu beginnen: Dazu wurden auf den nun in Gänze freigeräumten Grabungsflächen zunächst Planums- und Profilschnitte mit Schnüren und Nadeln abgesteckt. Danach ging es weiter mit dem feinschichtigen Abtrag der ersten Bodenschichten, was in den nächsten Tagen fortgesetzt wird. Diese Arbeit wird uns stetig tiefer führen und uns hoffentlich noch viele weitere spannende Funde bescheren!

Erkenntnisse des Tages: Vermeintliche Fahrrinnen entpuppen sich bei der Gesamtbetrachtung des Geländes anhand von Laserscans als Spuren vom Tiefenpflug. Und: das Arbeiten auf der Fläche macht ohne Farn viel mehr Spaß.

Blick in Schnitt 2: Nachdem der Wurzelfilz entfernt ist, werden die Spuren vom Tiefenpflug deutlich sichtbar.